Heidi Kranz über Regie, Verantwortung und echte Emotionen im Film

Shownotes

Sie gehört zu den erfolgreichsten Regisseurinnen Deutschlands und hat über Jahrzehnte hinweg Filme, Serien und TV-Biografien geprägt: Heidi Kranz blickt auf mehr als 40 Jahre Arbeit hinter der Kamera zurück. Dabei war ihr Weg in die Filmwelt ursprünglich gar nicht geplant – eigentlich wollte sie Medizin studieren, bis eine zufällige Begegnung mit einem Filmproduzenten ihr Leben in eine ganz andere Richtung lenkte.

Kranz erzählt, wie Filme tatsächlich entstehen: von der ersten Drehbuchidee über Casting-Entscheidungen bis hin zur Arbeit mit Teams von bis zu 300 Menschen am Set. Sie erklärt, warum Regie weit mehr ist als kreative Vision – und wie viel Organisation, Präzision und Führung nötig sind, damit eine Produktion überhaupt funktioniert.

Ein zentrales Thema ist die Arbeit mit Schauspielern: Wie findet man das perfekte Zusammenspiel vor der Kamera? Was passiert, wenn sich Darsteller schlicht nicht ausstehen können? Und warum Emotionen im Film oft harte Arbeit sind. Für Kranz steht fest: Authentizität entsteht nur durch echte Gefühle – nicht durch künstliche Effekte.

Auch über den Wandel der Branche spricht sie offen: über Social Media, die wachsende Rolle von Follower-Zahlen beim Casting, über den Einfluss von Streaming und ihre kritische Haltung gegenüber künstlicher Intelligenz im Film. Für sie bleibt das Entscheidende der Mensch – und die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, die berühren.

Persönlich wird es, wenn sie von Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Petra Schürmann, Uschi Glas oder Helmut Dietl erzählt, über ihre Erfahrungen als Regisseurin in einer lange männerdominierten Branche spricht – und darüber, warum Respekt und Menschenwürde für sie immer wichtiger waren als Sensation oder Quote.

Ein Gespräch über Filmhandwerk, Verantwortung – und darüber, warum echte Geschichten immer stärker sind als jede perfekte Illusion.

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Medien Martini ist auch auf Instagram: https://www.instagram.com/medien_martini

Weitere Informationen unter: https://www.thomasgierling.de/

Moderation: Thomas Gierling Produktion: The 48forward Studios

Transkript anzeigen

00:00:02: Hier wird geschüttelt und gerührt mit Thomas Gierling.

00:00:14: Willkommen zu einer neuen Folge von... eure Mediamartini.

00:00:18: Schön, dass ihr wieder mit eingeschaltet habt und ich kann euch eins sagen heute freue ich mich sehr denn wir haben einen ganz ganz ganz besonderen Gast da!

00:00:26: Und jemand der ja TV-Geschichte geschrieben hat aber nicht nur TV sondern Film Fernsehserien und ganz ganz vieles mehr hinter der Kamera jahrzehntelang als die erfolgreichste und eine der erfolgreichsten Regisseurinnen Deutschlands.

00:00:41: und ich freu mich das sie heute hier ist und zugesagt hat Die Liebe Heidi Kranz.

00:00:46: Liebe Heidi, schön dass du da bist.

00:00:48: Danke für die schöne Einladung!

00:00:50: Ich bin natürlich sehr gerne dafür einlegen weil Rosemontag ist.

00:00:54: Wie passend das Du dann gesagt hast, du kommst sofort zum Medien Martini und trinkst heute noch was rosandiges heut... also nicht roh?

00:01:01: Also ja Puss Pink ist einfach mit mir mit Ja,

00:01:04: finde ich gut.

00:01:05: Wir haben uns überlegt wir bringen heute zum Rosemonteig ein bisschen die Sonne in unser Gemüt Mit einem Pinky Champagne Martini Und das Rezept dazu bekommt ihr selbstverständlich.

00:01:17: Wir stoßen jetzt erst mal drauf an und zwar auf, ja... Das Wiedersehen von uns beiden!

00:01:22: Und vor allem dass du hier bei mir zum Media Martini zu Gast bist.

00:01:26: Vielen vielen Dank die wir heute.

00:01:28: Sehr gerne und es schmeckt köstlich.

00:01:30: Das muss ich sagen sehr zum Wohl.

00:01:32: Vielen dank.

00:01:35: Das Rezept gibt es wie immer selbstverständliche im Nachgang bei uns in der Beschreibung.

00:01:40: Und heute schütteln und rühren wir etwas ganz was Besonderes, denn ich hab's grad gesagt, liebe Heidi.

00:01:46: Du hast... ...und bist im Fernsehgeschäft seit vielen Jahren tätig!

00:01:52: Du hast unglaublich viel Regie geführt in verschiedensten Filmen, Serien aber auch Biografien.

00:01:59: Aber das war ja eigentlich nicht so geplant.

00:02:04: Denn dein Weg hätte ein anderer sein sollen, richtig?

00:02:08: Ähm... Ganz anders.

00:02:12: Mein Vater wollte, dass ich die Firma übernehme, die er hatte eine kleine Klitsche im Siegerland.

00:02:18: also es ist wirklich eine Ausbildung in diese Richtung.

00:02:21: das hat mich gelangweilt und dann wollte ich Medizin studieren Und das habe ich auch angefangen.

00:02:29: Dann habe ich gearbeitet weil man braucht ja Geld.

00:02:32: Ich hab alleine großgezogen Also musste ich arbeiten.

00:02:36: Ich habe bei einem Arzt gearbeitet einem Internisten in Schwabing und da kam ein Patient.

00:02:43: Und der war Filmproduzent, das war natürlich eine sehr spannende Geschichte.

00:02:49: Und er sagte sie haben heilende Hände, sie heilen mich!

00:02:52: Und meine Klientel bei meiner Werbefilmfirma kann heilender Hände gebrauchen.

00:02:57: Siehst du mal?

00:02:59: Das war für mich ein völlig neues Ding.

00:03:01: also ich habe keine Ahnung.

00:03:02: Du hast dir auch nie davor mein Gedanken gemacht zum Film zu gehen oder... Was soll dich

00:03:05: denn beim Film?

00:03:06: was ist das denn?

00:03:07: Ich hatte eigentlich die Idee, dass ich irgendwie nach Afrika gehe.

00:03:11: Das hört sich so pauschal heute an aber das ist ja nun sehr lange her und wollte Menschen helfen.

00:03:17: Ich nehme an, ich habe jetzt Menschen auf andere Weise geholfen indem ich sie einfach über vierzig Jahre unterhalten habe mit doch durchaus sehr vielen unterschiedlichen romantischen und nicht-romantischen also eben auch Mord- und Totschlagkrimi unterhalten haben.

00:03:36: Ein paar Millionen auf dieser Welt haben das dann gesehen, das ist eine andere Sache.

00:03:40: Zum Glück haben wir das alle gesehen, liebe Heidi und wenn du zurück denkst vor allem damals auch zu deiner Zeit in der Praxis Und dann als dieses Angebot kam wie was ging da in dir vor?

00:03:52: Wie bist du da erstmal?

00:03:54: Wie hast du dich da sortiert und hast gesagt komm ich mach mal dieses Experiment vielleicht wird das ja was

00:03:59: Ich weiß es nicht war total.

00:04:01: ich war jung Ich war offen, ich fand es spannend.

00:04:07: Und natürlich meine Film, wenn auch heute junge Mädchen oder auch junge Männer sagen, du kannst zum Filmen was immer.

00:04:14: das heißt man hat keine Vorstellung wie das geht.

00:04:17: Das ist irgendwie eine Welt die mit Fantasie verbunden ist.

00:04:20: Die Fantasi hat mir der Realität sehr wenig zu tun, muss ich dann auch mal ganz klar sagen Aber man hat sie halt und ich habe gedacht Was soll denn schief gehen?

00:04:29: Weil Medizin kann ich ja weiter studieren also ich kann das ausbringen Und dann war das natürlich auch finanziell ein besseres Angebot und da habe ich es sehr gerne zugesagt.

00:04:43: Ich habe im Endeffekt, wenn ich jetzt zurückblicke nach so wahnsinnig vielen Jahren, habe ich das richtig gemacht – die Entscheidung war richtig!

00:04:51: Du hast ja in all den Jahren eben sehr viele erfolgreiche Filme, Serdien, auch eben TV-Biografien von sehr bedeutenden Menschen abgedreht, hast Regie geführt.

00:05:03: Wenn du dein Leben als Filmgenre beschreiben müsstest ... Welches wäre das für dich?

00:05:10: Da habe ich nichts darüber nachgedacht.

00:05:13: Weil ich bin ja kein Film!

00:05:16: Man

00:05:16: kann mich heranfassen also... Ich stehe mit beiden Füßen auf der Erde und hab sehr gerne eine große Fantasie für meine Filmsstoffe.

00:05:25: aber ich bin hier sehr real mit allem was ich tue Weil ich glaube, sonst hätte ich auch die Filme nicht drehen können.

00:05:35: Du brauchst Fantasie um ein Film drehen zu können und du brauchst aber gleichzeitig eine unglaubliche Stärke und Klarheit um hundertfünfzig bis dreihundert Leute Team zu führen.

00:05:45: also da muss man schon ziemlich genau vorbereitet sein sehr genau wissen was man macht was man erzählen will, weil man muss die ja alle mitnehmen auf eine Reise.

00:05:56: Die müssen ja mitarbeiten und

00:05:58: mitgehen.".

00:05:58: Du sagst gerade... Man muss vorbereitet sein!

00:06:01: Man muss das Team, die Leute mitnehmen, auf eine reise.

00:06:05: Ich frag mich immer schon wie schaut denn ein Alltag von einer Regisseurin so aus?

00:06:11: Wie bereitet man sich auch auf einen Film vor?

00:06:13: oder wie geht man...?

00:06:14: Wie sieht

00:06:15: so'n Arbeitsalltag aus?

00:06:17: Naja, ein Film fällt ja nicht vom Himmel.

00:06:19: also das muss man wissen.

00:06:21: Man kriegt einen Treatment, ein Konzept.

00:06:25: Ein Drehbuch kommt später monatelang vorher und dann gießt man das.

00:06:30: Und dann kann man sagen gefällt mir, gefällt mich nicht.

00:06:35: Man kann auch sagen wir müssen noch was dran verändern.

00:06:38: so.

00:06:38: und dann fängt man an mit natürlich nicht alleine sondern mit dem Produzenten mit der Redaktion drüber nachzudenken.

00:06:45: wer kann das spielen?

00:06:47: Wer kommt überhaupt infrage?

00:06:49: weil da müssen ja auch alle einer Meinung sein.

00:06:51: Also es nützt mir ja nichts, wenn ich sage, ich will mal als Zack Heiner Lauterbach und der Sender sagt Ja das ist toll.

00:06:58: Und der Redakteur sagt Ja aber also das sitzt überhaupt gar nicht.

00:07:02: Wir müssen alle einer Meinung sein.

00:07:04: Damit arbeiten muss Ich Ja ein bisschen sehr klare Entscheidungen die da gemeinsam getroffen werden.

00:07:11: und Wenn einen Schauspieler zum Beispiel den man anfragt Ich drehe das Drehbuch gar nicht, weil es ist totaler Schrott.

00:07:19: Das passt nicht zu

00:07:20: mir.".

00:07:20: Dann musst du alle die anderen, die du im Kontext angefragt hast auch wieder überarbeiten?

00:07:26: Ja,

00:07:26: Wahnsinn!

00:07:26: Du musst sie alle wieder infrage stellen, weil jeder passt mit jedem

00:07:30: zusammen

00:07:32: und das wissen natürlich die meisten Leute überhaupt nicht.

00:07:35: Und darüber zu schimpfen welchen Schrott die Filme machen, das ist furchtbar einfach.

00:07:39: aber wie's entsteht?

00:07:41: bis heute?

00:07:42: ja und es hat sich nicht geändert.

00:07:44: Das ist natürlich schwer.

00:07:46: Also wenn mir den Hauptdarsteller absagt, dann ist zum Beispiel die Frau, die ich dazu ausgesucht habe auch die falsche.

00:07:53: Und je nachdem wer dazusa.

00:07:56: Das stelle ich mir ja... also darüber hab' ich mich natürlich jetzt als Laie so aus dem Externe noch gar nicht den Gedanken gemacht hab', es stimmt natürlich man muss hier immer dieses perfekte Match finden das auch im Film oder in der Serie anhand des Drehbuches sowie du's ja auch umgesetzt haben möchtest.

00:08:13: diese Emotionen passen für ein Kappel auch natürlich.

00:08:17: Ja und

00:08:17: die müssen natürlich auch matchen, also man muss glaubwürdig sein!

00:08:20: Hattest du das dann manchmal auch vor Ort dass es überhaupt nicht gematcht hat?

00:08:24: Oh

00:08:24: ja?!

00:08:25: Weil es passiert also buchstäblich... ...dass Menschen sich nicht riechen können.

00:08:31: Das stimmt!

00:08:32: Und es ist einfach ein Fakt.

00:08:34: und sie sind aber dann besetzt.

00:08:36: und in dem Moment wo wir anfangen zu drehen und vorher gibt es Kostümproben und Maskenproben.. ..und Besprechungen Wir lesen die Texte Dann gucken die sich so an und sagen, naja gut okay.

00:08:48: Und du merkst eigentlich geht es nicht.

00:08:52: Müssen aber muss gehen?

00:08:53: Die haben einen Vertrag.

00:08:54: Der Vertrag ist unterschrieben.

00:08:55: Die Drehzeit kostet unglaublich viel Geld.

00:08:58: Jeder Tag ist sehr teuer und dann musst du versuchen dass sie miteinander klarkommen.

00:09:06: Aber das ändert ja nichts.

00:09:06: Sie müssen den Text spielen des Drehbuches.

00:09:08: eine Vorgabe also es muss funktionieren.

00:09:12: Das funktioniert manchmal sehr schwer.

00:09:15: Und hat man dann eine Lösung, dass man sagt es gibt da irgendeine Zauberformel?

00:09:22: Es gibt es nicht.

00:09:22: Weil ich sage mal so wir sind Profis und wir bekommen Geld und auch Schauspieler bekommen zum Teil sehr viel Geld und dann muss man seine Arbeit eben einfach machen.

00:09:33: ja also das hilft dann auch überhaupt gar nichts.

00:09:37: aber natürlich gibt es nur Onsen Und natürlich ist es besser, wenn man sich auch so anfassen kann.

00:09:44: Die müssen ja auch manchmal sich küssen oder um Urschlungen durch die Gegend gehen oder auch zusammen ins Bett gehen und wenn man nicht riechen kann... Da passiert natürlich rein erotisch null!

00:09:54: Das muss ich auch dazu sagen.

00:09:56: Aber man muss halt zu tun also.

00:09:59: Wenn man sich nicht rIECHEN kann und den anderen eigentlich nicht anfassen will, dann ist das sehr schwer

00:10:03: Das kann ich.

00:10:04: Aber

00:10:04: nicht nur für die Schauspieler, sondern auch für uns, die es herstellen.

00:10:09: Also das ist dann schon eine andere Form von Arbeit ja?

00:10:15: Wie lange begleitet man als Regisseurin die Schauspieler?

00:10:18: also gibt es da wo du sagst es gibt dir auch die Leseproben, die Termine, Fitting bist du denn da oder ist man immer mit dabei?

00:10:27: Oder ab wann nimmt man sich ein bisschen zurück?

00:10:30: Man nimmt sich als Registrier sowieso nicht zurück Weil der Regisseur macht das den Film.

00:10:38: Also es muss ja alles harmonieren und man muss vorher ein sehr genaues Konzept haben.

00:10:43: Sonst geht gar nichts, weil da gibt's auch noch ganz viele Mitarbeiter.

00:10:47: Es gibt unheimlich viele Briefings vorher also Briefing für die Maske-Preflinge, für Kostümepriefungen, für Ausstattung... Das muss ja alle miteinander harmoniert!

00:10:55: Richtig Ja,

00:10:56: also du kannst jetzt nicht pink und knallrot permanent zusammenpacken.

00:11:00: Flippt der Kameramann aus weil rot verläuft dann das ist nicht gut!

00:11:04: Also es wird alles minuziös besprochen.

00:11:07: übrigens auch der Martini würde besprochen ja?

00:11:10: Also auch genau vom Detail her wie das Bärtchen liegen muss weil sonst würde das nicht gehen.

00:11:16: Sonst

00:11:16: würde es nicht gehen.

00:11:17: und kommt man da irgendwann auch dann... Ist es so ein normaler Alltag?

00:11:20: oder sagst Du dann immer noch Boah, das ist jetzt wirklich schwer sich dann wirklich in jede Situation hineinzudenken.

00:11:27: Nee es ist Alltag.

00:11:27: Es ist Alltag irgendwann?

00:11:28: Du

00:11:28: bist vor allem ein Beruf.

00:11:30: Also sagen wir mal so wie ... weiß ich nicht... Wie ein Ingenieur der eine Baustelle leitet und die Maschinen müssen laufen und sie haben zu funktionieren.

00:11:40: also das ist ziemlich exakt!

00:11:43: Wenn ein Zahnrädchen nicht funktioniert steht die Maschine still und dann kostet es sehr viel Geld wie überall wahrscheinlich, wenn Maschinen laufen.

00:11:55: Und eine Maschine kann natürlich ins Tudeln geraten weil alleine, wenn einer krank wird oder wenn jemand den Text nicht gelernt hat und dann kommt es zu halt nicht weiter!

00:12:06: Das ist auch ein Stichwort was ich noch fragen wollte.

00:12:09: Texten nicht gelernt haben.

00:12:12: Gibt es denn Momente wo man auch wirklich am Set sitzt einfach nur an den Haaren greifen oder die ausruppen möchte, weil die Schauspieler ihre Texte nicht können?

00:12:25: Oder auch einfach nicht wollen oder talentfrei dann sind in dem Moment.

00:12:31: Also talentfrei ist auch eine Begabung.

00:12:36: Aber das ist tatsächlich eine Begarbung!

00:12:38: Weil dann kannst du Sachen anders interpretieren und es kann man benutzen wenn man es kann.

00:12:45: aber wenn jemand einen Text nicht kann Und der muss mal sechs, sieben Seiten hintereinander auswendig können.

00:12:53: Die sagen und auf Stichwort reagieren, weil der andere muss ja antworten oder die anderen dann bist du verloren.

00:13:00: Weil den kann er an dem Tag nicht lernen oder die kann es nicht lernen.

00:13:03: Das kriegt kannst Du ihn nicht ins Gehirnhemmern.

00:13:06: Und das ist sehr schwierig.

00:13:09: Weil unsere Kameras sich bewegen?

00:13:11: Ja!

00:13:11: Also wir haben Schienen, wir haben Räder Wir haben Kameras oben unten die bewegen sich Und wir haben auch nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung.

00:13:20: Also, meine Mitarbeiter dürfen nur zehn Stunden arbeiten.

00:13:24: Das ist gewerkschaftlich.

00:13:25: Wir sind ja nicht in irgendeiner Grauzone.

00:13:27: Also

00:13:28: da ... wir sind ja öffentlich auch einsehbar, Gewerbeaufsichtsamt

00:13:33: etc.,

00:13:34: pp.

00:13:35: Man darf das alles nicht unterschätzen.

00:13:37: Es ist ja nicht irgendwie, wir machen ja nix illegales.

00:13:40: Genau!

00:13:40: Wir werden

00:13:40: beobachtet und mit Kindern darfst du sowieso nur fünf Stunden arbeiten Inklusive Wartezeit und in allen Filmen hast du Kinder, also mit Kinderbetreuung.

00:13:52: Da müssen die Erwachsenen sehr präzise

00:13:54: funktionieren.".

00:13:55: Und gab es dann so eine Situation?

00:13:56: Ich meine, siebziger, achtziger!

00:13:58: Die wilden Zeiten, Partys vor allem auch in München... In der Film-Kulturwelt alle waren gut drauf, alle haben sich vernetzt.

00:14:08: Waren die denn auch alle immer, ich sag mal pünktlich, dann auch vor Ort und vor allem nüchtern am Fett?

00:14:16: Es geht nicht anders, weil wenn du nicht pünktlich bist, fliegst du raus.

00:14:20: Das war ein sehr strenges Regime auch in dieser Filmwelt?

00:14:23: Ja es kostet ein Schweinegeld.

00:14:25: Da gibt's Produzenten und da gibt's Sender.

00:14:27: Stellt ihr mal vor, wir fangen morgens meistens um.

00:14:32: die Maske fängt um fünf Uhr an.

00:14:34: Ich werde um sechs Uhr abgeholt.

00:14:36: Um sieben Uhr steht die Maschinerie, um acht Uhr sage ich Tonab oder das sagt mein Assistent Oder um acht Uhr dreißig, spätestens weil uns das Tageslicht wegläuft.

00:14:47: Im Winter dramatischer da ist es schon um vier Uhr dunkel und können wir nur dahin drehen.

00:14:51: also wir sind lichtabhängig es sei denn wir sind in Innenräumen und können es uns ausleuchten.

00:14:56: Also das sind unheimlich viele unterschiedliche Kriterien.

00:14:59: Wir haben Fahrer die Schauspieler abholen.

00:15:03: Wer zweimal unpünktlich kommt kriegt einen Verweis.

00:15:06: Also das ist dann wirklich auch

00:15:08: ganz, kannste ja nicht bei Siemens an der Maschine zehn Minuten zu spät kommen.

00:15:12: Dann können die anderen nicht arbeiten.

00:15:14: also da gibt es überhaupt keinen Unterschied.

00:15:16: Man könnte ihn nach dem zweiten oder nach dem dritten Mal dann nicht vom Set entlassen?

00:15:20: Nein

00:15:21: Schauspieler natürlich nicht weil ich meine dann müsste das alles noch mal drehen.

00:15:24: So ein

00:15:25: Tag kostet bis so weiß ich nicht wie viel hunderthunderttausend Euro locker und weil die Maschine läuft.

00:15:33: Oder es gibt einfach in vier Augen gespielt dich mit der Regisseurin?

00:15:37: Nein, das geht über andere Ecken.

00:15:39: Die Regisseure sagt dann auf hoher Geldebene Bescheid.

00:15:44: Ja!

00:15:46: Heidi wie war das denn auch wenn du zurück denkst gerade zum Thema auch Schauspieler und Vorbereitung die Castings also... Wie läuft denn so was ab?

00:15:55: Denn es gibt natürlich Agenturen oder auch Agenten, die dann denke ich mal immer sehr offen in die Gespräche zu dir gekommen sind und gefragt haben können wir vielleicht Tauschmühler platzieren.

00:16:07: Oder wie kann man sich das vorstellen?

00:16:09: Wie wird zum Cast besetzt?

00:16:11: Das hat sich sehr verändert als ich meine ich mach das ja schon wirklich wahnsinnig lange da gab's überhaupt keine Casting direkt.

00:16:18: Da

00:16:18: gab's das gar nicht.

00:16:19: Nein!

00:16:20: Da gabs Agenturen.

00:16:22: Da wurden Trebicher noch auf Papier gedruckt, waren so in Format und wurden verschickt.

00:16:28: Und sehr gezielt.

00:16:30: Dann hat man angefragt ... da gab es ja auch noch keine Handys.

00:16:34: Es gab alles nicht.

00:16:35: Das ging ganz andere Wege.

00:16:38: Ja, da hat man überlegt, wer passt zu wem?

00:16:42: Vor allen Dingen, wer erzählt die Geschichte gut, wie ich als Regisseur mir vorstelle, wie die Geschichte zu erzählen ist?

00:16:51: Natürlich interpretieren die Schauspieler dann mit ihrer Stimme, mit ihrer Körperlichkeit.

00:16:56: Ob sie ein Bauch haben oder keinen... ...oder ob Sie Dauerwellen haben oder glatte Haare kurz und lange.

00:17:01: Das spielt alles eine Rolle!

00:17:03: Und notfalls bei den Haaren kannst du auch ne Perücke nehmen.

00:17:06: Du könntest es aus blauen Augen braune machen aber das macht man schon nicht mehr, das ist schon too much Ja?

00:17:12: Aber wenn du einen kompakten Menschen brauchst, dann suchst du dir eben jemand dass sie Klapperlichkeit hat.

00:17:19: Die müssen aber miteinander harmonieren und das muss man sich vorher überlegen.

00:17:23: Also die müssen sich nicht verstehen als Menschen, aber vom Bild.

00:17:27: Es geht nur ums Bild!

00:17:29: Das ist ja diese Welt, diese Fantasiewelt, diese Emotionen, die man auch beim Zuschauer dann erwecken möchte in dem Moment, in denen man sich auch hineinversetzen muss.

00:17:40: Rein optisch passt nicht jeder zu jedem?

00:17:43: Und manchmal ist es ja auch ganz gut, wenn sie überhaupt nicht zusammenpassen.

00:17:46: Weil dadurch der Spannungsbogen ja noch mal ein völlig anderer wäre.

00:17:49: Ja?

00:17:51: Aber dann wählt man auch bewusst Menschen die nicht zusammen passen.

00:17:54: Das ist ja auch interessant!

00:17:55: Natürlich also für den Zuschauer optisch nicht zu sagen.

00:18:01: Da gab's einen Werbespot, da hieß großer Mann und kleine Frau das Vierwüstenrot vor Hundert neunzig Jahren.

00:18:07: Der war wahnsinnig erfolgreich weil der Riesenmann mit dieser kleinen Frau an der Hand oder umgekehrt Zum Wüstenrotarch lief da was.

00:18:15: Das war einer der erfolgreichsten Spots, weil man sagte die passen gar nicht zusammen und so macht mir das auch heute noch.

00:18:24: Ein Regisseur hat ja immer die Verantwortung für den Film und prägt eine gewisse Meinung beim Publikum.

00:18:32: wie bist du dem Ganzen Wie hast du das gesehen?

00:18:35: Hast du immer diese Verantwortung dann auch dir zu Herzen genommen und wusstest, wenn das jetzt im Drehbuch so ist.

00:18:41: Dann verantworte ich das und das Publikum muss es lieben.

00:18:45: oder bist du mit Kritik auch eher etwas lockerer umgegangen?

00:18:49: Im während des Drehes gibt's keine Kritik.

00:18:52: also man macht sich, muss sich vorher ein Konzept klar machen.

00:18:56: Das ist aber festgelegt schon mal durch die Struktur des Drehbuches.

00:19:00: Da wird ja eine Geschichte erzählt.

00:19:01: Jetzt kannst du da noch ein bisschen dran rum ändern Und je nach Besetzung kann man es etwas anders interpretieren.

00:19:09: Also wenn die schreiben einen Fünfzigjähriger Mann und einem Fünftrachterjährige Frau, kannst du immer noch auch eine fünfvierzigjährige Frau nehmen und ein Sechzigjährigen Mann oder ein Vierzigjährige Mann?

00:19:21: Das ist ne Frage der Interpretation.

00:19:23: Dazu muss man aber sich beraten sowohl mit der Redaktion als auch mit den Produzenten.

00:19:31: Ja, weil ganz alleine sollte man sowas nicht entscheiden.

00:19:35: Weil das ist ja ein Zusammenspiel.

00:19:37: Und dadurch je nachdem wie die aussehen und welche Sprache sie haben eine hat eine tiefe Stimme einer hat eine hohe Stimme.

00:19:44: also es gibt unheimlich viel auf was Zuschauer also auch ich als Zuschauer reagiere.

00:19:51: Das sind Reize die wir gar nicht bewusst wahrnehmen.

00:19:54: aber wenn dir ne Stimme gefällt Gehst du ganz anders mit der Geschichte um, als wenn jemand so eine ganz hohe Piepse-Stimme hat oder sowas.

00:20:02: Ja!

00:20:03: Die dir auf den Wecker geht eigentlich nach einer Weile.

00:20:06: Dann aber natürlich wieder ein Stilmittel ist.

00:20:08: also das kommt drauf an.

00:20:11: Wie ist es denn?

00:20:11: Wenn Du jetzt selber einen Film anschaust zu Hause Kannst Du dich dann noch wirklich zurücklehnen und entspannen Und sagst ja ich lasse das jetzt zu.

00:20:20: Oder achtest Du dann wirklich immer auf jedes Detail und sagst ah das hätte man vielleicht noch anders machen können.

00:20:26: Du meinst, wenn ich ein Film von mir anschaue?

00:20:28: Von dir oder jetzt auch einfach mal nur zu Hause sagst.

00:20:32: Auf

00:20:32: der Couch ist es ein verregneter Sonntag und es ist irgendein Film den du gerne anschauen wirst.

00:20:37: Ähm... Das

00:20:41: ist schwer!

00:20:42: Also ich schaue kaum Filme an.

00:20:45: Weil... Na gut man kann sehr schnell kritisieren.

00:20:49: Ich bin nicht so einen Mensch, der kritisiert weil ich weiß wie unglaublich mühsam und schwer Es sind die kleinsten Kleinigkeiten zu machen und auch vor allen Dingen redaktionell durchzusetzen oder beim Produzenten, weil alles kostet Geld.

00:21:03: Mir!

00:21:04: Ja also und dann gibt es große Diskussionen.

00:21:07: Also bin ich an vielen Stellen extrem tolerant.

00:21:10: nicht tolerant bin ich bei schlechter Schauspielführung.

00:21:14: ja weil das ist wirklich ein Beruf finde Ich.

00:21:19: und da gibts natürlich immer wieder auch Menschen Ja, die mir vielleicht nicht gefallen.

00:21:26: Aber das sollte nicht dieses Kriterium sein, wo ich einfach finde da hätte man ein bisschen mehr dran arbeiten müssen oder eine Sprachausbildung vielleicht machen müssen.

00:21:36: ja Nicht jeder der hübsch ist hat eine gute Sprach Ausbildung.

00:21:40: Also das ist einfach Ist ein Beruf.

00:21:43: Ich gehe davon aus und bin der Meinung es ist ein Beruf

00:21:46: Und da hat sich ja glaube ich auch vieles verändert von damals zu heute.

00:21:50: Gerade mit Sprachausbildung und nicht nur weil man hübsch ist, hat man vielleicht auch immer die perfekte schauspielerische Karriere oder das Talent.

00:21:58: Ich glaube, dass es wahrscheinlich in der heutigen Zeit... ...auch alles so ein bisschen lockerer geworden.

00:22:04: Meinst du nicht auch?

00:22:05: In der Besetzung, dass man eher nach Followern geht?

00:22:08: Oder gibt es noch diesen Detailf in der Besetzung?

00:22:12: Also

00:22:12: ich als Regisseur kann ganz klar sagen nach FOLLOWERN zu gehen.

00:22:17: Gefällt mir nicht!

00:22:18: Das hat mit Können nichts zu tun.

00:22:20: Das hat mich etwas ganz anderem zu tun, das hat mir interessanten Themen.

00:22:24: oder wer jetzt in den Dschungel geht hat Follower.

00:22:28: also bitteschön der muss nicht zwingend jetzt bei einer Tragödie oder einem Shakespeare vor der Kamera stehen.

00:22:34: Also der Meinung bin ich nicht.

00:22:37: Möchte das aber vielleicht dann nach dem dschungeln wieder?

00:22:39: Vielleicht möchte er das oder sie möchtet es.

00:22:40: Oder sie ja!

00:22:41: Ist auch in Ordnung.

00:22:43: Das kann auch übrigens passieren Aber dann müsste man ein bisschen noch an sich arbeiten.

00:22:48: Also, da müsste man tatsächlich einen klassischen Weg gehen und vielleicht ein Sprachlehrer holen oder ein Gesangslehrers- oder Tanzlehrern... Ich weiß nicht!

00:22:58: Damit man so die normalen Dinge bedienen kann.

00:23:01: All die, die ein Schauspieler braucht.

00:23:03: Einfach auch eine Fortbildung?

00:23:05: Irgendwie in jedem anderen Beruf auch, oder?

00:23:06: Weiterbildung?

00:23:07: Ja gut,

00:23:08: wenn du jetzt mal in München in die Kammerspiele gehst oder ins Residenztheater Es gibt Bühnenprüfungen, das wissen die wenigsten Leute.

00:23:16: Das ist ein Lehrberuf, den kann man lernen zum Beispiel an der Falkenbergschule in München oder am Max-Reiner-Seminar in Wien und so was.

00:23:25: Also es gibt ganz tolle Schauspielschulen, es gibt nur wenige im deutschsprachigen Raum, die sehr, sehr exzellent sind, was wir eben in Münche haben auch aus Ewerding ist fantastisch Und da kriegst du eben den Beruf feigebracht.

00:23:41: Das geht auch nicht in zwei Wochen, sondern es geht in zwei drei Jahren und dann machst du eine Bühnenprüfung.

00:23:48: Dann bist du staatlich geprüfter Schauspieler!

00:23:51: Also das gibt's natürlich...

00:23:56: Wie man hört, haben ja dann doch einen Beruf den man auf alle Fälle immer wieder vor Augen haben muss auch um sich selber zu finden wahrscheinlich egal ob man in dem Dschungel ist oder nicht.

00:24:07: Auf alle Fällen ist es etwas und das finde ich sehr spannend was sicher ja wahrscheinlich auch immer wieder in der Zeit neu verändert oder auch definiert.

00:24:18: Liebe Heidi und zum definieren komme ich gleich noch, denn du hast ja auch sehr erfolgreich zum Beispiel Biografien gedreht.

00:24:27: Und bevor wir zu diesem Thema kommen gibt es erstmal einen neuen Schluck für unser Mediamartini Denn wir kommen dann zu unseren schnellen Frage-Antwortenspielchen

00:24:37: Okay sind die gefährlich?

00:24:38: Die sind überhaupt nicht gefährlich.

00:24:40: Du kannst mir vertrauen Salute!

00:24:46: Also der schmeckt wirklich sehr gut muss ich sagen.

00:24:49: Das ist

00:24:51: köstlich, absolut.

00:24:52: Ich komme jeden Tag vorbei!

00:24:54: Sehr gerne denn ich habe uns ja noch die Flasche hier hinten hingestellt.

00:24:57: Sollte mal ein bisschen nach oder?

00:24:59: Wir schütten mal nach.

00:25:00: Die meisten hören uns ehemt das heißt... Aha guck mal vielleicht hört man sich...

00:25:04: Wie schön, wie schön des Scheubens.

00:25:06: Jetzt haben wir es gleich.

00:25:08: Wenn wir sitzen zwei Gedanken auf einmal Liebe Heidi und zwar ich frag dich jetzt einfach mal zwei Sachen.

00:25:15: du sagst was zu lieber hast und wenn du möchtest auch gerne, warum du das lieber hast.

00:25:20: Ganz einfach!

00:25:20: Und zwar wir fangen an.

00:25:22: Dokumentation oder Spielfilm?

00:25:24: Spielfilm.

00:25:26: Gibt es einen Grund?

00:25:30: Kann man anders erzählen weil es ist abstrakter... ...und da habe ich die freie Auswahl der Schauspieler bei der Dokumentierung.

00:25:38: Da hab' ich die Leute festgelegt über die ich die Dokumentations mache.

00:25:41: Verstehe.

00:25:42: Filmset im Studio oder draußen vor Ort?

00:25:45: Vor Ort

00:25:46: Streaming oder klassisches Fernsehen?

00:25:49: Klassisches Fernsehen.

00:25:51: Finde ich sehr gut, bin nicht ein großer

00:25:53: Freund.

00:25:53: Ich fühle mich eindeutig!

00:25:56: Große Story- oder der leise Moment Was hast du lieber als Regisseurin?

00:26:00: Im leisen Moment

00:26:02: Woher kommt das?

00:26:04: Da kann ich mir erzählen da habe ich größere Freiräume.

00:26:07: Der leise moment kommt meistens aus dem Herzen.

00:26:10: Es ist dort auch einfacher in Anführungsstriche die Wahrheit zu filmen oder zu finden?

00:26:16: Nein, es ist schwerer, den leisen Moment herzustellen.

00:26:19: Weil der mehr in die Tiefe geht und die Schauspieler anders gefordert sind.

00:26:23: Und auch das Team, weil da muss man totale Ruhe haben, da darf sich keiner mehr bewegen.

00:26:28: Da ist meistens Closet, da sind viele Leute ausgeschlossen nicht aus Boshaftigkeit sondern damit man intensiver werden kann.

00:26:40: Wenn man's dann geschafft hat... Dann kann man sehr stolz sein.

00:26:45: Gab es da auch schon mal einen emotionalen Moment bei dir, auch am Set?

00:26:48: Bei so einem leisen Moment?

00:26:51: Ja den gab's auch.

00:26:53: Mir hat eine Schauspielerin ihren Schrei für ihren verloren gegangenen Liebhaber geschenkt, das was sie ihnen echt gefühlt hat und danach... Das war Mittags irgendwo auf einer Wiese und danach konnten wir nicht mehr weiter treten weil wir alle nur noch geweint haben.

00:27:11: Und das gehört auch dazu Das

00:27:14: weiß ich nicht, weil es kostet sehr viel Geld und war für den Produzenten sehr schwierig zu verstehen.

00:27:20: Aber wir mussten halt weinen!

00:27:21: Wir haben mit ihr gefühlt und wir haben das dann auch an der anderen Stelle wieder reingeholt.

00:27:25: Das kommt allerdings außerordentlich selten vor.

00:27:27: Also in meiner langjährigen Karriere hatte ich das vielleicht zwei oder dreimal.

00:27:32: Aber es kommt vor – und das glaube ich zählt.

00:27:35: Und die letzte schnelle Frage.

00:27:38: Wahrheit oder schöne Illusionen?

00:27:40: Was heißt das?

00:27:42: Wahrheit oder zum Beispiel eine KI, die im Einsatz ist.

00:27:47: KI interessiert mich persönlich nicht.

00:27:50: Es liegt sicher auch an meinem Alter weil ich einfach mit KI nicht gearbeitet habe.

00:27:56: Das überlasse ich dann den jungen genialen Kollegen.

00:28:00: Ich bin... musst du selber in der Hand haben.

00:28:04: Wie findest du das denn aktuell?

00:28:06: Man hört ja gerade auch in der Filmbranche, vor allem aus Hollywood so viel Negatives über KI wo Schauspieler auf einmal jung oder alt gemacht werden nicht mehr doppelt dreifach besetzt werden.

00:28:18: also im Sinne von als Kind oder auch als Senior was macht das mit dir wenn du diesen Wandel erlebst?

00:28:26: Ich mag es nicht!

00:28:27: Weil erstens mal haben alle einen Beruf und müssen davon leben.

00:28:32: Wenn man sie jetzt mit KI wegrationalisiert, finde ich das für den ganzen Berufsstand eine ganz große.

00:28:37: Ja absolut!

00:28:38: Weil da werden sehr viele Leute dann ohne Arbeit sein?

00:28:43: Aber man sieht es natürlich auch und es geht ja auch um Emotionen.

00:28:47: also die kann man ja die werden künstlich hergestellt Die langweilen mich persönlich

00:28:53: vor allem.

00:28:54: Ich denke mal wenn dann jetzt ein Schauspieler oder eine Kindrolle hat in einem Film dann spielt er ja natürlich am Set sich selber erst mal so, wie er ist in echt und muss aber sich in diese Kindrolle hineinversetzen bevor er jung gemacht wird.

00:29:09: Ist das so?

00:29:11: Oder ist es nicht so?

00:29:11: Doch, muss ja so sein!

00:29:12: Es

00:29:13: müsste so sein... Also ich habe sowas nie gemacht.

00:29:15: Spooky!

00:29:16: Das

00:29:16: wird in Deutschland übrigens auch noch nicht in der Form praktiziert.

00:29:19: Okay.

00:29:19: Mhm.

00:29:20: Vielleicht versuchen Sie's an ein paar Großen.

00:29:23: also wir haben ja nur Bavaria und Babelsberg Wir haben nicht so viele Studios.

00:29:28: Das kann ich aber nicht wirklich beurteilen.

00:29:30: Ich fände das für mich gut uninteressant, weil ich persönlich bin auch bei meiner ganzen Arbeit und das ist von meinen Schauspielern immer sehr geschätzt worden.

00:29:45: Wir haben halt richtig gearbeitet um Sachen herzustellen Und es ist tatsächlich auch Arbeit um jemand zu einer Emotion zu bringen dass er die auch zulässt Ja, und dass jemand zum Beispiel weinen kann.

00:29:58: Natürlich kann man künstliche Tränen machen.

00:30:00: So was konnten wir immer!

00:30:01: Wir können noch per Rücken aufsetzen und ... Was weiß ich?

00:30:05: Können uns auch im Bauch umschneiden.

00:30:06: Alles wunderbar ist kein Thema.

00:30:08: Aber das geht ja um das Emotionale.

00:30:12: Ich glaube einfach, dass der Zuschauer merkt ob es hergestellt ist oder tatsächlich aus dem Bauch kommt Weil Gefühle werden im Solarplex bestellt und ob das jetzt dann auch, was er hat mit Atemtechnik zu tun zum Beispiel.

00:30:30: Und entstehen dann ja?

00:30:32: Wie du atmest, du musst in die Tiefe atmen um dein Gefühl zu erreichen.

00:30:36: Das kann eine KI nicht mehr dieatmet ja nicht.

00:30:39: Also ich kann mich da ehrlich gesagt auch nicht anfreunden weil man dann immer auch als Zuschauer einfach weiß okay dass ist jetzt nicht mehr authentisch, das ist niemehr echt.

00:30:49: Das ist nicht ein Schauspieler, der mir gerade oder nicht dieser Schausspieler, die ja noch mal vor Augen gezeigt wird.

00:30:56: Oder halt auch Job.

00:30:58: sie.

00:30:58: du sagst, die dahinter hängen?

00:30:59: Ja es ist eine interessante Wande.

00:31:02: Es wird natürlich

00:31:02: kommen.

00:31:02: also das kann man jetzt nicht mehr verhindern.

00:31:05: Auch in Deutschland nicht und da werden die auch Mittel-und Wege finden das zu optimieren.

00:31:11: Also ich finde es im Moment für mich persönlich sowieso langweilig und ich find's auch noch nicht optimal

00:31:17: Weil wir zum Glück noch nicht diese große Abhängigkeit vielleicht auch mit den Studios in Amerika haben.

00:31:22: Oder ist das so ein bisschen der Trigger, warum man das hier noch nicht einsetzt?

00:31:26: Wir haben auch ... weil nicht dass wir die Technik nicht hätten aber wir haben noch andere Geschichten, die wir erzählen

00:31:32: Zum Glück!

00:31:33: Hoffentlich.

00:31:34: Also wenn ich mir so junge Regisseure und auch Schauspieler anschaue Die haben gute Ideen.

00:31:41: Ich hab's jetzt ab und zu Und auch sehr gerne in Jurys und schauen mir an, was so in Deutschland oder auch in Europa gedreht wird.

00:31:51: Und das sind einfach unglaublich viele kompetente junge Leute mit vielleicht einer eigenen Bildsprache und einer anderen Fantasie aber das macht große Laune und großen Spaß zuzuschauen.

00:32:02: Ja?

00:32:03: Und es ist ohne KI.

00:32:05: Das sind Geschichten die sie bewegen.

00:32:06: Echte

00:32:07: Geschichten.

00:32:07: Ja!

00:32:07: Und echte Geschichte.

00:32:10: Ich bin an echten Geschichten interessiert.

00:32:13: ich bin an Menschen interessiert.

00:32:15: Passender könnte die Überleitung gar nicht kommen zu meinem nächsten Thema.

00:32:19: An Menschen interessiert!

00:32:21: Du hast doch hier bestimmt jetzt auf meinen Chattel gespeckt, oder gespeckten muss ich sagen?

00:32:24: Nee,

00:32:26: hab' ich jetzt nicht.

00:32:27: So weit

00:32:27: geht's noch nicht.

00:32:29: Und zwar seit vielen Jahren.

00:32:33: auch sehr erfolgreich hast du ja TV-Biografien gedreht.

00:32:38: Du hast unter anderem sehr erfolgreich die Biografie, ... gedreht, oder auch Ushiglas und auch Lebenslinien eben mit Cleo Kretschmer.

00:32:55: Oder wann wusstest du auch neben deinen Filmen und Serien dass du diese Art von Geschichten erzählen willst?

00:33:03: Und fühlst vor allem natürlich.

00:33:08: Es ist ganz schwer zu sagen... Bei diesen Lebenslinien hab ich natürlich auch die Triebücher selber geschrieben.

00:33:19: Das heißt, ich habe sehr kundlich recherchiert.

00:33:22: Die Personen haben mir vertraut ... Es sind ja auch interessanterweise drei wirklich sehr unterschiedliche aber sehr bekannte

00:33:31: Frauen.

00:33:31: Genau!

00:33:32: Ich wollte jetzt sagen, sehr unterschiedlich.

00:33:33: Die völlig verschiedene Genre bedienen und angefangen habe ich mit Petra Schürmann weil ich sie kennengelernt habe Und hat ja durch ihr schwere Schicksal nicht mehr sprechen können.

00:33:43: Dramatisch

00:33:44: Sehr dramatisch und sehr schwierig.

00:33:46: Und wir haben uns angeschaut, und fanden uns toll!

00:33:50: Und sie hat Daumen raufgemacht... ...und dann habe ich ihr gesagt, ich würde gerne eine Dokumentation mit ihnen machen.

00:33:58: Wären Sie bereit?

00:33:59: Und da hat sie auch gesagt, sie muss überlegen.

00:34:02: Also aufgeschrieben hat sie das.

00:34:04: Sie musste überlegen und dann hat sie gesagt okay Und dann haben wir wirklich mit Daumen rauf und Daumen runtergearbeitet.

00:34:13: Das hört sich doch saublöd an, ist aber so weil diese Frau konnte ja nicht mehr sprechen.

00:34:18: Aber durch die Verbindung, die ihr beide hattet hast du das natürlich auch gefühlt in dem Moment wie sie es sagen würde oder?

00:34:28: Oder erzählen würde?

00:34:30: Na gut!

00:34:31: Sie konnte ja hören und wir konnten unheimlich viel miteinander lachen Und wir konnten Champagner trinken.

00:34:37: Also jetzt nicht hier in Martini, sondern wir haben Champagner getrunken und davon reichlich.

00:34:42: Wir haben sehr viel Spaß gehabt, weil die hatte ja ihre Lebensfreude nicht verloren.

00:34:48: Das darf man ja nicht vergessen!

00:34:49: Die war unglaublich elegant... ...die tog immer noch die schönen Kleider von Sweetheart.

00:34:55: Was

00:34:55: heute kaum einer weiß, dass es sie gegeben hat aber das waren natürlich die schicksten Jungs in München Und das trug sie und es trug Sie mit Krandezer.

00:35:04: Sie war extrem gepflegt, sie fuhr noch ihren Porchen.

00:35:09: also um das klar zu sagen ja weil die das Gehirn war ja da, sie hat ja nur die Sprache verloren.

00:35:13: War sie nicht sogar Miss World oder Miss Universe auch?

00:35:17: Die war Miss World.

00:35:18: Das

00:35:18: war halt genau.

00:35:19: Wie war die erste deutsche Miss World?

00:35:20: Einfach

00:35:20: grandios!

00:35:21: Ich möchte nicht lügen aber ich nehme anstatt dreien, fünfzig oder fünfzig.

00:35:24: Also so

00:35:25: ein Star Ein internationales

00:35:27: Drama.

00:35:27: Und wir haben natürlich auch noch das Material von damals im Bayerischen Rundfunk gefunden, im Archiv und konnten es für den Film mitbenutzen.

00:35:37: Wir hatten sehr viel Spaß.

00:35:38: Sind dann nach Marokko gefahren?

00:35:41: Nein ich glaube es war Tunisien.

00:35:43: Ich will nichts falsch sagen.

00:35:44: auf jeden Fall da wäre sie der letzte Reise mit ihrer Tochter gewesen.

00:35:49: die konnte sich ja nun nicht mehr machen und die haben wir dann zusammen gemacht.

00:35:53: Und auch da, muss ich sagen, hatten wir sehr viel Spaß.

00:35:57: Sie hat uns dann alles gezeigt, was sie eigentlich mit ihrer Tochter sehen wollte?

00:36:01: Großartig!

00:36:02: Wir haben alle ein bisschen geweint aber eigentlich haben wir nicht geweint und mehr gelacht.

00:36:06: Darauf kommt es doch auch an, dass man in dem Moment des Lebens genießt und es feiert.

00:36:12: Ja, und wir haben glaube ich sie auch noch mal ins Leben mit Ihrer Tochter geholt, was Sie bewusst ... noch mal gelebt hat.

00:36:21: Das ist ja sehr schön!

00:36:22: Heidi, wie schafft man es diese Nähe zu bekommen?

00:36:25: Aber vielleicht bei ihr oder eben auch bei Ossi Glass und anderen ohne dass man eine gewisse aber Grenze überschreitet wo man dann weiß ah das könnte jetzt vielleicht doch zu privat werden für den Dreh.

00:36:38: Das würde ich nie machen.

00:36:39: also das ist ja ein Beruf und vorher informiere ich mich ja und vorher habe ich ja auch viele Informationen und du kriegst ja auch Signale dass man nicht über, also im Tabu-Bruch würde ich nie begehen.

00:36:53: Das überlasse ich gerne in anderen Mediäes.

00:36:56: Da bin ich ganz weit von entfernt und dafür bin auch viel zu seriös.

00:36:59: Also das interessiert mich auch

00:37:01: nicht.".

00:37:02: Und das ist ja auch genau diese Kunst, dass man das schafft, diese Emotionalität und diese Nähe zu bekommen und dann genau weiß... Das ist das, was auch natürliches Publikum sehen möchte von der Person.

00:37:13: Nein aber die Personen sind ja jetzt auch drei berühmte Frauen, die auf alle Übrigen unterschiedliche sehr schwere Schicksale hatten weil die Cleo hatte zum Beispiel einen Schlaganfall und musste widersprechen lernen.

00:37:24: also ich habe das ja auch sehr bewusst so.

00:37:28: Und natürlich spricht man sich vorher ab aber da gibt es ja auch Grenzen.

00:37:32: also ich bin ja kein Voyeur.

00:37:34: Es gibt Sachen die geht überhaupt niemanden etwas an und diese Fragen würde ich auch nicht stellen

00:37:39: wollen.

00:37:40: Etwas, was ich auch noch grad fragen wollte.

00:37:43: Wo liegt denn die Grenze?

00:37:45: Eben, aber es hast du schon gesagt zwischen der journalistischen Wahrheit und auch der emotionalen Darstellung.

00:37:50: weil wahrscheinlich so ein TV-Sender sagt ach komm Kitzel doch da vielleicht noch etwas raus.

00:37:55: Aber genau Dann gibt es diese Grenze, wo du sagst nein Leute.

00:37:58: Respekt

00:37:59: nennt man

00:37:59: das?

00:37:59: Genau!

00:37:59: Das mache ich einfach nicht.

00:38:00: Nein,

00:38:00: es gibt Respekt und es gibt Menschenwürde... ...und das würde ich nie verletzen wollen.

00:38:05: Also das ist mein Ehrenkodex.

00:38:07: Sonst könnte ich in meinem Beruf auch nicht so weit gebracht, wenn ich diesen Kodex nicht eingehalten hätte.

00:38:12: Da bin ich auch extrem streng.

00:38:14: Gab es die Situation, dass ein Fernsehmacher dann gesagt hat, das müssen wir noch ein bisschen mehr filmen, schneiden?

00:38:24: Meinst du, dass es heute so

00:38:25: wäre?!

00:38:26: Dass heute beim Fernsehen dann doch der eine oder andere sagt, das drehen wir jetzt bitte nochmal.

00:38:31: Aber hier ein bisschen mehr Emotionen in dem Ganzen?

00:38:34: Ja gut, es kann man ja machen!

00:38:36: Also wer zahlt schafft an und das gibt den Spruch im allen möglichen Bereichen.

00:38:42: aber du kannst Menschen nicht vergewaltigen.

00:38:45: Und es gibt natürlich Formate wo man die Leute vorführt.

00:38:50: Aber ich hab mich nie als Regisseur gesehen, der Menschen vorführt.

00:38:54: Also im Gotteswillen.

00:38:56: Ich schau solche Formate auch nicht.

00:38:58: damit kann ich nichts anfangen und ich finde jeder muss auch seine Würde behalten bitte.

00:39:03: Genauso ist es.

00:39:04: Ich möchte meine auch behalten.

00:39:06: Und die hast du behalten?

00:39:07: Du hast ja jahrzehntelang erfolgreich Filme, Serien, Biografien gedreht.

00:39:12: Gibt es etwas wo du sagst das hätte ich noch gern gemacht dass mache ich noch.

00:39:16: da steht noch auf meiner Bucketlist

00:39:19: Das stand es tatsächlich.

00:39:23: Ja, ich habe noch so ein kleines verrücktes Drehbuch geschrieben.

00:39:28: Jetzt kommt's raus ihr Lieben!

00:39:31: Aber schon von einer längeren Zeit, da wollte ich eine Geschichte von einem alten Mann erzählen.

00:39:38: und dann hat man mir aber erklärt an einer alten Frau also die sich im Alter wieder finden dann sich gemeinsam entschließen, in den Tod zu gehen.

00:39:50: Weil sie das Leben nicht mehr leben können.

00:39:52: und ich fand es spannend.

00:39:54: aber das ist jetzt nicht spektakulär gewesen sondern einfach du kannst halt nicht mehr genügend Zeit um es gemeinsam noch zu leben.

00:40:01: also dann entschließt du dich dafür weil die frau eben im buch sehr krank ist.

00:40:06: ähm das wollte keine sender haben.

00:40:09: ja weil das natürlich nicht nur zum lachen ist.

00:40:11: da war sehr viel zum lachend drin weil nämlich diese phase diese wochen die sie sich gegönnt haben nochmal richtig auf die

00:40:17: Karte.

00:40:17: Schöne Phase war!

00:40:18: Ja,

00:40:19: sie haben noch eine Tanzkurs besucht und sind doch gereist und sind auch ans Meer gefahren um dort ihrem Leben ein Ende zu setzen.

00:40:26: aber der Film ist nie gemacht worden weil ja man mutet in Deutschland den Menschen offensichtlich etwas was nicht mit strahlendem Lächeln ausgeht nicht zu

00:40:37: so schade.

00:40:39: Ein Thema was jeden eigentlich ein Thema was jedem bewegt in dem Moment.

00:40:44: Ja,

00:40:45: vor allen Dingen was viele erleben und wir haben nun mal auch sehr viele alte Leute und ich bin selber alt und ich begleite meine sehr viel älteren Schwiegermutter gerade auch in so einer Situation und man kann das nicht negieren.

00:40:59: Das gehört

00:41:00: zum Leben

00:41:01: dazu?

00:41:02: Also außerdem kann man es unglaublich poetisch erzählen.

00:41:05: Richtig!

00:41:06: Da

00:41:06: gibt's ja ein paar internationale Beispiele die bis heute erfolgt.

00:41:10: Ich

00:41:10: wollte gerade sagen, es gibt ja ähnliche... Genau!

00:41:12: Ja, aber das können wir in Deutschland noch nicht verkraften.

00:41:16: Also vielleicht?

00:41:18: Das wäre auch alle für dir ein To-do wo du sagst, da hättest du richtig lustig.

00:41:21: Ich würde mich

00:41:21: sofort noch machen.

00:41:22: Hätte so richtig Lust

00:41:23: zu sein.

00:41:23: Ich wüsste auch mit wem

00:41:26: und ich würde ins Kino gehen und mir anschauen ganz sicher.

00:41:29: Vielleicht

00:41:29: würdest du sie doch nur im Fernsehen sehen

00:41:31: oder im Fernseh.

00:41:32: Beides gut.

00:41:34: Lieber Heidi, ich hab... Wir haben ja also die Zeit rennt und ich habe hier noch so viele Fragen aber ich muss euch jetzt ein bisschen sortieren weil ich könnte mit dir bis morgen früh hier sitzen und über alles sprechen und der Champagner reicht auch bis morgens früh.

00:41:46: Und

00:41:47: wie viel schon vor mir hätten wir?

00:41:47: Wollte ich gerade fragen.

00:41:48: Ich würde

00:41:48: sagen, da ist noch ein bisschen was drin das schütten wir gleich mal nach weil es darf ja wieder scheumen.

00:41:53: Herrlich!

00:41:54: Es ist ja Musik in den Ohren dieser Schaum.

00:41:56: Also wenn ihr das jetzt auch noch so hören könntet Wie wir!

00:42:02: Man hat doch sicherlich, wir haben das vorhin schon kurz angeschnitten.

00:42:06: Man hat früher ja auch gefeiert in der Medienwelt und in der Filmwelt!

00:42:11: Wie war es denn?

00:42:12: Wie war's v.a.

00:42:13: in München oder generell?

00:42:16: wenn so was wie Berlinale... Die letzte Woche in Berlin.

00:42:21: Wie war ist für dich in dieser damals und ich weiß nicht ob es heute wäre?

00:42:25: die zweite Frage immer noch sehr männlich dominierten Filmwelt Wie, was hat das mit dir gemacht?

00:42:32: Wie wurdest du da auch aufgenommen als Regisseurin in den... ...Siebzigern.

00:42:37: Achtzigern!

00:42:38: Ähm...

00:42:40: Schräg.

00:42:42: Okay.

00:42:43: Sehr

00:42:43: schräg.

00:42:43: ich weiß, dass ein sehr bekannter Schauspieler gesagt hat, er hatte den Vertrag schon unterschrieben und da stand Heidi Kranz-Regie.

00:42:50: also es war eindeutig Feminine.

00:42:53: Er guckte mich an und sagte, das mache ich nicht.

00:42:55: Frauen gehören hinter den Herd und nicht hinter die

00:42:57: Kamera.".

00:42:57: Das ist ja unglaublich!

00:42:58: Ja, ich konnte ihn leider nicht umbesetzen und wir wurden Freunde des... Hat

00:43:02: er heute noch Freunde?

00:43:03: Der lebt nicht mehr.

00:43:05: Aber das war total komisch.

00:43:07: Das hat der laut vor dem ganzen Team gesagt und ich dachte so, okay, dann habe ich gedacht, ich lasse mich aber nicht umoperieren weil es ist nur mal blöd.

00:43:17: Ich bin nun mal eine Frau.

00:43:19: Ehrlicherweise, glaube ich ist es bis heute schwierig

00:43:24: für

00:43:25: Feminine-Regisseure also für Regisseurinnen.

00:43:29: Wir sind immer noch wenig im Verhältnis zu den Männern und wir müssen andere Leistungen bringen als Männer.

00:43:36: Also wir werden anders auf den Prüfsteilen gestellt und da habe ich auch schon einige Seminare drübergehalten.

00:43:44: das gehört ja gar nicht hin.

00:43:46: Aber ich glaube im Endeffekt ist es wie in vielen anderen Berufen auch, dass man als Frau sehr viel mehr Power und Kraft braucht.

00:43:55: Und ich behaupte, man muss alles fünfmal so gut können wie jeder Mann!

00:44:00: Und damals, gerade so eine Situation wo du sagst jetzt mit dem Schauspieler das der das dann so lauter halte erst mal gesagt hat, hatte ich das da erstmal erst recht nochmal bekräftigt und gestärkt zu sagen Ich bin hier genau richtig ihr Lieben.

00:44:15: Nö, ich fand den saubiert.

00:44:18: Ich hab einfach gefunden er ist ein Arsch!

00:44:20: Also das muss man ganz klar sagen wir wurden auch nicht wirklich Freunde.

00:44:24: also aber es gab drum herum sehr tolle andere Schauspieler zum Beispiel Maria Shell die war in dem gleichen Projekt und die fanden natürlich ziemlich großartig dass sie endlich meine Frau an ihrer Seite hatte weil damit konnte sie was anderes sagen was andere spielen und sich anders bewegen Und da hatten wir sehr viel Spaß.

00:44:46: Also mich hat das jetzt nicht weiter ... Ich hab diesen Beruf gelernt, ich habe eine fantastische Ausbildung bei großartigen Lehrmeistern gehabt weil alles Männer muss ich dazu sagen und die haben gesagt Mädchen geh jetzt kannst es!

00:45:03: Das habe ich auch schriftlich bekommen von einem sehr berühmten Kollegen.

00:45:09: du kannst es jetzt

00:45:10: Lauf

00:45:12: Nur machst du es schon und dem habe ich vertraut.

00:45:16: Unter

00:45:16: anderem

00:45:17: durftest du ja auch Regieassistentin sein bei Helmut Dietl, unter anderem für Werbefilme aber auch für die Monaco-Franze?

00:45:26: Ja, ne Monaco Franze hab' ich nicht wirklich gemacht.

00:45:29: Also ich hab mit ihm überwiegend Werbung gemacht

00:45:32: Und wie ist er auf dich aufmerksam geworden?

00:45:34: Wie kommt ihr zueinander?

00:45:37: Wir haben immer zusammen im Romano Antica... getrunken, glaube ich und gegessen.

00:45:43: Champagner?

00:45:44: Fürchte ja!

00:45:46: Helmut war nicht so ein Champagner-Freund aber ich mochte das sehr gerne Und ähm... Ich fand den toll und dann hat er mich... Ach ne da gab's eine Firma die hat mich angefragt und dann haben wir zusammen Werbung gemacht.

00:45:59: also er war der Boss und ich war die Assistentin.

00:46:04: Ja

00:46:04: und oder haben wir es sehr viel gemacht, sehr lustige Sachen muss ich sagen

00:46:08: Dinge, die ja auch prägen und eben auch wo du sagst das war natürlich so eine Bestätigung der harte Schule durch die du gehen musstest bei all den Regisseuren oder eben auch ein Helmut Dietl selbstverständlich.

00:46:20: Ja man muss sich dazu unterbrechen.

00:46:22: als ich mit Helmut angefangen habe zu arbeiten war ich schon Regisseurin also ich war keine Assistentin mehr.

00:46:28: Ich hab schon meine eigenen Filme gedreht

00:46:30: Und ihr habt euch dann über das weggehen kennengelernt und gesagt dass ist ein Match Das passt?

00:46:35: Ja das waren ja keine Spielfilme es waren ja nur Werbungsprojekte Und die waren sehr lukrativ.

00:46:41: Ja?

00:46:41: Und sie fand ich auch gut zu machen, weil es waren immer nur drei, vier Drehtage.

00:46:45: Wenn

00:46:47: du an diese Szene vielleicht von damals zurückdenkst wo ihr euch kennengelernt habt oder generell die Branche sich getroffen hat in München und man deine lustige Zeit hatte und gefeiert hat vermisst du das heutzutage?

00:47:01: Also ich finde München ist extrem viel langweiliger geworden.

00:47:04: Spießiger?

00:47:05: Total Nein, das hab ich aber auch schon laut gesagt.

00:47:10: Ich finde halt ... Man muss auch ein bisschen was wagen und offen sein.

00:47:15: Und man muss auch einige Dinge zulassen, die einem gar nicht mal so hundert Prozent gefallen.

00:47:20: Aber um sie kennenzulernen oder abzuwägen, ob man dir gefällt, sollte man versuchen, sie kennenzulernen und offener zu sein.

00:47:30: Also generell sollten wir wieder ein bisschen offener ein Miteinander pflegen.

00:47:35: In allen Bereichen übrigens.

00:47:37: Nicht nur in meiner Branche, sondern generell!

00:47:40: Und wenn du einen Wunsch hättest für deine Branche... Was wäre der?

00:47:44: Für die heutige Zeit?

00:47:45: Entspannt bleiben und weniger Angst haben.

00:47:52: Diese Angst schnürt uns nach wie vor so.

00:47:54: Angst vormutig sein.

00:47:56: War man früher eigentlich mutiger?

00:47:58: Hat man sich da schneller getraut Dinge umzusetzen oder ein Drehbuch jemandem in die Hand zu geben und gesagt was machen wir

00:48:04: jetzt?!

00:48:05: Das glaube ich nicht wirklich.

00:48:07: Vielleicht ... Wir hatten die Medien, die heute zur Verfügung stehen.

00:48:11: D.h.,

00:48:12: du hattest sehr viel unbeobachtete Momente, also du wurdest nicht gleich vorverurteilt oder weil du einen falschen Post abgeliefert hast oder das falsche Kleid anhattest und so was.

00:48:20: Was hat ja niemand gesehen?

00:48:22: Oder wir speziellen Leute haben es mitgekriegt.

00:48:24: Dadurch war man unbefangener meiner Ansicht nach und hatte auch eine andere Entwicklung.

00:48:30: Eine gezielter.

00:48:31: Ja, heute finde ich persönlich vieles furchtbar defus.

00:48:36: Jeder gibt irgendwas von sich und hinterher muss man es bereuen oder kriegt eins um die Ohren oder wird in den Himmel gelobt und wird gehypt.

00:48:45: also das entspricht ja alles nicht der Realität für mich persönlich.

00:48:49: Das finde ich spannend weil ich glaube diese Realität dass wollen die Menschen aber haben.

00:48:54: Man will doch heutzutage glaube ich erst recht authentische Dokus Und auch Filme vielleicht mit Stories, die ... Mit denen man sich verbinden kann in diesen Krisenzeiten.

00:49:05: Wo auch mal gute Laune wieder vielleicht angebracht ist oder?

00:49:10: Ja aber ich glaube uns ist so sehe ich das sehr viel Leichtigkeit verloren gegangen und auch sehr viel Oberflächlichkeit hab' ich jetzt gerade auch bei der Berlinale so befunden.

00:49:28: Ich meine, natürlich gibt es fantastische Kolleginnen und Kollegen.

00:49:36: Das muss man sagen in allen kreativen Bereichen.

00:49:39: aber du wirst halt heute ganz schnell hochgejagt und genauso schnell ist die Karriere auch wieder vergangen ja?

00:49:45: Und ich glaube man braucht eine Form von Kontinuität und Entwicklung.

00:49:51: Man muss auch mal ein Fehler machen dürfen Genau.

00:49:54: Und nicht sofort dann an den Pranger gestellt werden, ja?

00:49:57: Weil Fehler gehören glaube ich zur Entwicklung unbedingt dazu weil sonst wenn du nichts korrigieren kannst bleibst auf einem Level wie funks.

00:50:05: soll das denn funktionieren?

00:50:06: genau

00:50:07: so ist es.

00:50:07: Ja also das finde ich sehr persönlich sehr uninteressant.

00:50:11: und wenn man an so eine Berlinale denkt von damals und heute Wie empfindest Du das Jetzt dann?

00:50:17: dort sind die Filme oder auch natürlich der Hintergrund, wenn man sich trifft.

00:50:21: Wenn man sich wieder sieht austauscht... Hat das ein anderes Fundament als das früher mal der Fall war?

00:50:27: Ja heute hat es das Fundament, dass du auf Instagram guckst wer welches Kleid anhat.

00:50:32: Das hast du früher nicht gesehen und da warst du daran interessiert welche Gespräche du führen kannst.

00:50:38: Also das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

00:50:39: alle haben nur noch diese Dinge in der Hand Und machen Fotos und Posten.

00:50:43: also ich meine ich gehör ja dazu.

00:50:45: Ich habe auch gepost

00:50:46: Man wird dazu genötigt, fast schon.

00:50:49: Ja ich halte mich da ein bisschen mehr zurück als die jungen Menschen das gehört aber heute dazu und dadurch kommt nicht mehr finde ich jetzt.

00:50:58: also für mich persönlich jetzt das ist eine sehr persönliche Meinung nicht mehr so eine wirkliche Intensität zustande.

00:51:04: es sei dann wenn trifft auf jemand der auch wirklich an dir interessiert ist und nicht nur an dem sag wir müssen einen Foto machen also

00:51:13: das Oberflächlich abzuschließen ja genau schlimm Kann man nur hoffen, dass sich das wieder in eine richtige Richtung dreht und vor allem auch das Gefühl wieder von früher ein bisschen mehr zurück kommt.

00:51:23: Auch die Leichtigkeit, die man hatte?

00:51:24: Die Leichtigheit

00:51:25: und auch eine gewisse Form von Zuverlässigkeit!

00:51:30: Also das fände ich halt eigentlich auch ganz schön, dass man sagt Ich bin da und dann ist man eben auch da

00:51:34: Und performt auch so ein hundert Prozent

00:51:37: Ob mit

00:51:37: oder ohne Champagner

00:51:39: Ja geht auch ohne, aber mit

00:51:41: ist natürlich besser.

00:51:43: Einfacher und sehr viel besser!

00:51:45: Liebe Heidi abschließend möchte ich dich noch natürlich eins fragen du hast sehr sehr viel gedreht und überall die Jahre hinweg gibt es ein Film eine Serie einen Dreh wo du sagst den werde ich niemals vergessen sei das positiv oder negativ.

00:52:07: Ja, du lachst schon.

00:52:10: Wo du dich gerne zurückerinnerst?

00:52:13: Negatives erinnert man sich meistens besser zurück als an Positives.

00:52:18: Ich habe nicht so sehr viel negatives erlebt, muss ich sagen.

00:52:22: Ab und zu mal eine richtige Fehlfarbe aber die kann man dann abhaken also auch an Kollegen oder sowas.

00:52:28: Ich hab für mich irrsinnig schön zwei Teile gedreht auf Java Beziehungsweise in Malaysia und er heißt Liebe und Tod auf Jada.

00:52:39: Und der war sensationell besetzt, noch mit Michael Mendel zum Beispiel und Morel Baumeister Sonja Kirchberger also auf einem Svell Martinek, also

00:52:49: ein

00:52:50: sehr, sehr hohes Niveau an Besetzung aber auch überhaupt am Team und an Drehbuch.

00:52:56: Ein fantastisches, es waren zwei Teile, zweimal neunzig Minuten.

00:52:59: Fantastische Drehbücher spielten, Warte mal, dreißig oder ein?

00:53:06: Dreißig, zwei, drei.

00:53:07: Also die Kostüm und das war natürlich unglaublich opulent.

00:53:12: Alleine in diesem Land und die Opulenz dieser Landschaft und dieser alten Orte von den Holländern damals gegründet

00:53:23: worden

00:53:24: und gebaut wurden ... Das hatte was Unglaublich Aufregendes und Spannendes.

00:53:29: Das ist vielleicht nicht mein bester Film Aber von der Erinnerung her ist es mit das Schönste.

00:53:38: Und ansonsten habe ich ja durch meinen Beruf also sehr viel von dieser Welt kennenlernen dürfen, und das finde ich ziemlich großartig!

00:53:49: Und wir finden dich großartige lieber Heidi.

00:53:52: Vielen vielen Dank dass du heute die Zeit gefunden hast zu uns, zu mir in den Podcasts.

00:53:59: Danke für wirklich diese ganz, ganz tollen Insights.

00:54:01: Weißt du?

00:54:02: Man überlegt ja immer oft ach wie ist es denn beim Film?

00:54:05: aber so wirklich mal hinter die Qualisten zu sehen und zu hören wie mit dir heute?

00:54:10: das macht es aus.

00:54:11: und dazu noch ein Gläschen Champagner.

00:54:13: besser hätte es gar nicht sein können.

00:54:15: Danke für die Offenheit!

00:54:16: Für die Ehrlichkeit und für deine Haltung, die du uns gezeigt hast und immer noch mit mitbringst wenn es um den Job geht und vor allem auch um die Positionierung in der Filmbranche und der Regisseur Rinnen.

00:54:30: Ich sage danke, es hat mir unheimlich großen Spaß gemacht!

00:54:33: Und wir hoffen du kommst bald wieder und dann trinken wir noch mein Gläschen.

00:54:37: Vielen Dank an dich, liebe Heidi.

00:54:40: Tschüss!

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